Lemberg (ukrainisch: Lwiw), 1941. Die sechzehnjährige Nelka geht frühmorgens aus dem Haus, um beim Bäcker an der Straßenecke Brot fürs Frühstück zu holen. Auf der Straße wird sie von deutschen Soldaten aufgegriffen, auf einen Pritschenwagen bugsiert und mit zahlreichen anderen Mädchen und Frauen in Güterzügen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh in den Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters Marten erwehren und arbeitet statt auf dem Feldern als "Dienstmädchen" im Haupthaus. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will Marten konfrontieren und sich selbst endlich von Ungesagtem befreien.

Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und der Zwangsarbeit durch die Nazis hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das erzählt Svenja Leiber in ihrem neuen Roman klar, ohne explizit zu werden, mitfühlend. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hoch sensibel - und bewahrt die Erinnerung an sie. Ein Roman, das unter die Haut geht und einen ganz starken Eindruck hinterläßt.