Max und Schorch kennen sich schon ein Leben lang. Sie sind zusammen groß geworden und durch eine tiefe wortkarge Freundschaft miteinander verbunden. Selbst jetzt in ihrem hohen Alter verbringen sie viel Zeit miteinander und verrichten gemeinsam alltägliche Dinge rund um ihre alten Höfe. Auch ihr Dorf ist, wie inzwischen ein Großteil der Dorfbewohner, schwer in die Jahre gekommen. Bis auf eine Dorfkneipe haben alle Geschäfte zugemacht, die jungen Leute sind in die nahe Stadt gezogen, um dort zu leben und zu arbeiten. Durch eine Neubausiedlung am Rande des Dorfes sind einige jüngere Familien mit Kindern zugezogen, die aber nicht wirklich Anteil am Dorfleben nehmen. Sie verlassen morgens ihre Häuser, um abends wieder zukehren. So bleiben die Alten unter sich, und halten den kleinen Rest alltäglichen Dorflebens aufrecht. Jetzt im Winter bedeckt tiefer Schnee das Land und die Häuser und über allem liegt eine friedliche Ruhe. Es ist das unerwartete Totengeläut, das Max ins Dorf treibt. Schorch ist tot. Abends zuvor haben sie noch zusammengesessen, jetzt liegt er aufgebahrt auf dem häuslichen Sofa, auf das er sich erschöpft zurückgezogen hatte. Seine Frau und die anderen Frauen aus dem Dorf bereiten die Totenwache vor, in der über vierundzwanzig Stunden Männer und Frauen getrennt bei dem toten Schorch sitzen und Geschichten und Erinnerungen austauschen. Und wie so häufig sitzt Max auch diesmal lieber bei den schnatternden, betenden und singenden Frauen, als bei den grummelnden und trinkenden Männern. 

In dieser leisen und anrührenden Erzählung entfaltet sich das Bild einer dörflichen Lebensart, die mit ihrer Härte und Armut, mit ihrer schweren körperlichen Arbeit, ihren festgefügten Rollen und Aufgaben, aber auch mit ihrer tiefen Verbundenheit und Teilhabe im Aussterben 


Bibliographie