Buchanan, gelegen im Westen des ostamerikanischen Staates Pennsylvania: Dieser Teil des Landes war schon immer geprägt von Stahlindustrie und Bergbau, während der östliche Teil durch die sanften Hügellandschaften der Appalachen geprägt wird; Farmerland, das auch heute noch in der Hauptsache von deutschstämmigen Mennoniten und Amischen bewohnt wird. Pennsylvania gehörte zu den 13 Gründungsstaaten der USA und hat über die Jahrhunderte eine bedeutende, aber auch wechselvolle historische Rolle gespielt. Heutzutage ist es tief gespalten zwischen dem beschaulichen ländlichen Bible Belt und dem westlichen, eher industriellen Rust Belt. Letzteres ist keine kuschelige Ecke des Landes: vom Kohleabbau verwüstete Landstriche; Gegenden, die seit Jahrzehnten von unterirdischen Kohlebränden unterwandert werden; vor sich hin gammelnde Geisterstädte; Menschen, die sich abrackern, aber auf keinen grünen Zweig kommen, die ihre Häuser und Gemeinden verlassen müssen, weil der Boden unter ihnen sprichwörtlich aufbricht und in sich zusammenfällt. In einer dieser glühenden Erdspalten, nahe der schon vor Jahrzehnten geräumten Siedlung Campbells Run, findet ein Farmer eines Tages die verbrannte Leiche der 17-jährigen Camio Truly. Polizeichefin Dove Carnahan ist in dieser Gegend aufgewachsen – und sie kennt die berüchtigte Truly-Familie, zu der dieses Mädchen gehört, nur zu gut. Redneck-Unterschicht der schlimmsten Sorte: kriminell, arbeitslos, verschworen, zerstritten und geführt von einer Matriarchin, die zu allem bereit ist. Dove Carnahan macht sich auf einiges gefasst, und sie wird nicht enttäuscht werden.
Die amerikanische Autorin Tawni O‘Dell hat einen ganz eigenen, mitreißenden Erzählton: zugleich heiter und ironisch, dann wieder poetisch und detailverliebt, gerne aber auch drastisch. „Wenn Engel brennen“ ist ein spannender und äußerst gelungener Krimi mit interessantem Personal, intensiver Charaktertiefe und einer faszinierender Milieustudie über eine zerstörte Gegend und zerstörte Menschen.