Mechthild Borrmann, Grenzgänger

Kurz nach Kriegsende in der Eifel: Die Schönings leben in einem kleinen Dorf nahe Monschau an der deutsch-belgischen Grenze. Während die älteste Tochter Henni und ihre Mutter in Monschau in einem Restaurant arbeiten, ist der vom Krieg traumatisierte Vater der Familie keine Hilfe. Als Hennis Mutter stirbt, übernimmt daher die Älteste die Fürsorge und Verantwortung für ihre jüngere Schwester und die beiden Brüder. Als sie Zeugin wird, wie schnell man mit dem aufblühenden Schmuggel von Kaffee u.a. Waren aus dem nahen Eupen, Geld verdienen kann, schließt sich Henni den Schmugglerbanden an. Sie ist diejenige, die die Schmuggel-Routen über das  Hohe Venn kennt und bald die Kaffee-Schmuggler, Kinder und Erwachsene, in der Nacht durch das Moor führt. Eines Nachts geschieht dann das Unfassbare: Hennis Schwester wird von einem Zöllner aus dem Dorf erschossen. Henni kommt daraufhin auf Betreiben ihres Vaters und des Dorfpfarrers in eine Besserungsanstalt für Mädchen nach Aachen. Ihre beiden Brüder in ein von Nonnen geführtes Kinderheim nach Trier. Hier stirbt Matthias an Lungenentzündung. Alles das ist nur ein Teil der Wahrheit, die in einem Gerichtsprozess in den 70er Jahren vor dem Aachener Amtsgericht verhandelt wird.

Spannung und Zeitgeschichte miteinander zu verknüpfen, versteht Borrmann wie keine andere deutsche Autorin. 'Grenzgänger' ist ein packender wie aufwühlender Roman eingebettet in ein düsteres Stück unserer Heimat- und Zeitgeschichte. Die vielfach ausgezeichnete Autorin Borrmann, die mit ihrem zuletzt erschienen Roman 'Trümmerkind' monatelang auf Platz 2 der Spiegel-Bestseller-Liste stand, erzählt mit der ihr eigenen soghaft-präzisen Sprache die Geschichte einer lebenshungrigen Frau, die an Gerechtigkeit glaubt, und einer Region, in der Schmuggel und Heimerziehung bis heute Spuren in den Menschen hinterlassen haben.