Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt die Autorin mit der Geschichte der Blumenhändlerin und Kranfahrerin Hanna Krause. Hannas große Leidenschaft waren schon immer Blumen und ihr großer Traum ein eigener Blumenladen. Diesen Traum kann sie sich in den 1930er Jahren endlich erfüllen. Wenn auch nur inmitten des Magdeburger Arbeiterviertels Knatterburg. Doch auch hier gibt es genug Männer mit schlechtem Gewissen. Ihr kriegsversehrter Mann gehört nicht dazu. Das mühsam verdiente Geld verspielt und vertrinkt er. Und macht seiner Frau sechs Kinder. Vier davon, die Töchter, überleben mit ihrer Mutter auch den zweiten großen Krieg, überleben mit Not die Bombardierung Magdeburg im Kellergeschoss einer Kirche. Das Hanna zwei ihrer Kinder nicht begraben kann, wird ihr ihr Leben lang nahe gehen. Wie so viele Frauen ihrer Generation wird Hanna Zeitzeugin von zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einem Aufstand, zwei Weltkriegen und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, dem Kaiser, dem Führer und anderen Führern. Sie erlebt gute und schlechte Zeiten und wird schließlich in der neu gegründeten DDR, lange nachdem ihr Blumenladen Geschichte ist, Kranführerin in der Halle eines Magdeburger Schwermaschinenbaubetriebes. Bis zu ihrem Tod, umhegt von ihren Töchtern und Enkelinnen, nimmt Hanna Krause das Leben, wie es kommt.
Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen (Frauen-)Leben und gibt, mit Hanna, den ganz normalen, gewöhnlichen Frauen ein Gesicht, die in der Geschichtsschreibung viel zu oft unsichtbar bleiben. Ein grandioser Roman, zutiefst berührend und mitreißend geschrieben. Sprachlich fein und besonders in den Beschreibungen der Geschehnisse während der Bombardierung Magdeburgs unter die Haut gehend. (Das vielleicht zur Warnung für die ein oder andere Leserin.)