Adriana Altaras führt ein ganz normal chaotisches und unorthodoxes Leben in Berlin: zwei fußballbegeisterten Söhnen, ein westfälischen Ehemann, der ihre jüdischen Neurosen stoisch erträgt, und ein ewig nörgelnder, stets liebeskranker Freund. Soweit so gut. Bis ihre Eltern sterben und sie eine Wohnung erbt, die seit 40 Jahren nicht mehr ausgemistet wurde. Fassungslos kämpft sich die Erzählerin durch kuriose Hinterlassenschaften, bewegende Briefe und uralte Fotos. Dabei kommen nicht nur turbulente Familiengeheimnisse ans Tageslicht, auch die Toten reden von nun an mit und erzählen ihre eigenen Geschichten. Es ist eine Geschichte voller Tragik: Ihre jüdische Familie stammt aus Kroatien, mit deutschen Wurzeln, nicht alle Familienmitglieder haben den Holocaust überlebt. Erst flohen Sie vor den Nazis, dann vor den Sozialisten Titos. Die Nazis haben ihren Besitz enteignet, im KZ wurden sie zu einer eintätowierten Nummer, im Sozialismus sollten sie zwanghaft ein Ganzes werden und mit der Flucht mussten sie schließlich eine Heimat zurücklassen, die ihnen schon lange keine wirkliche Heimat mehr war. Adrianas Eltern fliehen nach Deutschland und bauen sich dort ein neues Leben auf, während sie ihre Tochter Adriana für einige Jahre zur Tante nach Italien geben.

Dies ist eine Familienaufstellung der besonderen Art: Tiefsinnig, ergreifend und gleichzeitig ungeheuer komisch, selbstironisch und voller jüdischem Witz. Trotz mancher Schwere im Thema hat diese Familienchronik einen großen Unterhaltungswert. Typisch Adriana Altaras halt.
Adriana Altaras wurde 1960 in Zagreb geboren, lebte ab 1967 in Italien, später in Deutschland. Sie studierte Schauspiel in Berlin und New York, spielte in Film- und Fernsehproduktionen und inszeniert seit den neunziger Jahren an Schauspiel- und Opernhäusern. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnung, u.a. Bundesfilmpreis, Theaterpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und den Silbernen Bär für schauspielerische Leistungen.


Bibliographie